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Der Wolf im Schafspelz

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Veröffentlicht in Politik · 4 November 2020
Tags: AfDKaufmannOBWahlStuttgartFreikircheEvangelikaleUSA
Malte Kaufmann ist 43 Jahre alt und verheiratet, hat vier Kinder, arbeitet als Immobilienunternehmer, schmückt sich mit dem Doktortitel einer rumänischen Universität und wohnt in Mühlhausen bei Heidelberg. Bei der anstehenden OB-Wahl in Stuttgart ist er der einzige Kandidat, der offen seine Parteizugehörigkeit kommuniziert: die zur AfD.
Screenshot AfD-Wahlplakat Malte Kaufmann

"Die OB-Wahl ist eine Richtungswahl - über weiter acht Jahre rot-grüne Politik oder einen echten Politikwechsel", betont er. Was er damit meint? Aktuell: den Corona-Infektionsschutz. "Ich weiß, wie betroffen viele Unternehmen von diesen überzogen Maßnahmen sind. Sie sind sofort zurückzufahren, weil sie zu einem Desaster in der Wirtschaft führen", forderte er wenige Tage, bevor Bund- und Länder den zweiten Lockdown beschlossen.

Wortgewaltig zu Corona, ist der Kandidat woanders wortkarg: Kaufmann steht der Freien Christlichen Gemeinde Heidelberg nahe, die in der Unistadt einen Kindergarten und eine Schule betreibt. In ihr engagiert sich der AfD-Kreisratsvorsitzende als "Lehrbeauftragter". Wie die US-Evangelikalen legt die Heidelberger Gemeinde die Bibel als „Wort für Wort von Gott eingegeben“ ultrakonservativ aus.

Screenshoot Freie Christliche Gemeinde Heidelberg
So ist für sie jeder nach dem Sündenfall von Adam und Eva „von da an geborene Mensch von Grund auf verdorben, von Gott fernstehend und unfähig, ihm aus sich heraus zu gefallen“. In ihren Bildungseinrichtungen „trimmt man die Kids auf ziemlich schräges, alttestamentarisches Zeug und bringt ihnen neben dem vorgeschriebenen Lehrstoff zur Evolution auch die „Alternative“ des Kreationismus nahe“, bemerkt der AfD-Watchblog Heidelberg.

Trotz seiner Religiosität will Kaufmann nicht an Dingen rütteln, die die Schöpfung bedrohen. "Wir können von Stuttgart aus nicht das Weltklima retten und die Erderwärmung aufhalten", argumentiert er im OB-Wahlkampf voll auf AfD-Linie. Auch weil das internationale Pariser Klimaschutzabkommen angeblich "ideologiebetriebene Klimaschutzziele“ enthält. „Nur für das Mikroklima können wir hier etwas tun“, sagt er. Wie für andere Klimakrisen-Leugner endet auch für Kaufmann Klimaschutz zwei Meter über dem Boden. So ist Mikroklima wissenschaftlich definiert.

Keine Sünde sieht Kaufmann auch im überordenden Autoverkehr in der Landeshauptstadt. "Wir leiden unter Staus", gesteht er nur zu. Doch man dürfe die Verkehrsträger nicht gegeneinander ausspielen. "Es darf keinen Rückbau von Straßen und Parkplätzen geben", betont er. Autofreie Innenstadt? Keine Option für ihn. "Tempo 40 und Dieselfahrverbote werde ich zurücknehmen", verspricht er stattdessen. Auf die Frage der Lokalpresse nach seine Lieblingslinie im öffentlichen Nahverkehr nannte er die B27 und die B14: "Ehrlich gesagt fahre ich am liebsten mit meinem Auto."

Screenshot Malte KaufmannScreenshot-Instagram-Account Malte KaufmannAfD-typisch empfiehlt sich Kaufmann als Mann für Recht und Ordnung. Mit ihm bräuchten die Stuttgarter "keine Angst zu haben, von Drogenhändlern angegangen oder in die Fänge von kriminellen Gangs zu geraten." "Deshalb bin ich für eine Null-Toleranz-Strategie." Dass Stuttgart zu einer sichersten Großstädte hierzulande zählt, die Zahl der Straftaten laut polizeilicher Kriminalstatistik seit Jahren auf relativ niedrigem Niveau verharrt, ignoriert der OB-Kandidat. Als populistischer Wolf im Schafspelz entpuppt sich Kaufmann in den sozialen Medien.

Auf Twitter nennt er die Corona-Schutzmaßnahmen als "Orgie an DDR-mäßigen, völlig unsinnigen & überzogenen Eingriffen". In Tweets warnt er vor der vermeintlichen Islamisierung Deutschlands. Der Amoklauf eines IS-Anhängers in Wien ist für auf Twitter Folge von "unkontrollierter Zuwanderung ohne Sinn und Verstand" - obwohl der Attentäter in Österreich aufgewachsen war. In der US-Wahlnacht freute er sich auf Instagram voreilig über einen Trump-Sieg.

Schwer vorstellbar, dass AfD-Mann Malte Kaufmann an die Spitze einer Stadt rückt, die auf ihre internationale Stadtgesellschaft stolz ist. Und in der Menschen mit Migrationshintergrund fast die Hälfte der 615 000 Bewohner stellen.

Bildnachweis
Screenshots malte-kaufmann.de, fcg-heidelberg.de, twitter.de, instagram.com



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